Wohnhaus
Datenbestand: Bauforschung
Objektdaten
Straße: | Paulinenstraße |
Hausnummer: | 2 |
Postleitzahl: | 72119 |
Stadt-Teilort: | Ammerbuch - Entringen |
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Regierungsbezirk: | Tübingen |
Kreis: | Tübingen (Landkreis) |
Wohnplatzschlüssel: | 8416048003 |
Flurstücknummer: | keine |
Historischer Straßenname: | keiner |
Historische Gebäudenummer: | keine |
Lage des Wohnplatzes: |
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Kartenansicht (OpenStreetMaps)
Bauphasen
Bei dem Wohnhaus Paulinenstraße 2 handelt es sich um ein schlichtes Wohnstallhaus, das - zumindest bzgl. seiner hölzernen Bestandteile gesichert - im Jahre 1538 (d) errichtet wurde. Der über einem überwiegend massiv ausgeführten Unterbau aufgerichtete Fachwerkoberstock ist sowohl in seiner Holzgerüstkonstruktion als auch in seinen Wandfüllungen umfassend erhalten. Bemerkenswert ist auch die seit 467 Jahren nahezu unverändert gebliebene Raumnutzung im Wohngeschoss sowie im Dachwerk.
Von bauhistorischer Bedeutung ist die Abzimmerungstechnik des Fachwerkgerüstes, das weitgehend ohne Aussteifungshölzer auskam. Fachwerkbauten ohne Schräghölzer sind im süddeutschen Hausbau selten, wobei in diesem Falle sicher nicht ein Gestaltungswille, sondern vielmehr die Wirtschaftlichkeit Ursache für den Verzicht auf zusätzliche Gerüstversteifungen war. Dies legt neben den ohnehin bescheidenen räumlichen Verhältnissen vor allem die ungewöhnlich intensive Nutzung von Abbruchmaterial nahe, das vielleicht von einem spätmittelalterlichen Vorgängerbau Paulinenstraße 2 übernommen wurde. Als das Haus eines Entringer Kleinbauern in Nachbarschaft zu den herrschaftlichen und kirchlichen Bauten, dem mutmaßlichen Bebenhäuser Hof (Kirchstraße 5), der Zehntscheuer (Kirchstraße 9), dem Pfarrhaus (Kirchstraße 11) und nicht zuletzt der Michaelskirche bietet Paulinenstraße 2 ein gut überliefertes Beispiel für die dörfliche Sozialstruktur im frühen 16. Jh. Neben dem gering einzustufenden finanziellen Potential des Bauherren mag bei der Beschaffung des Baumaterials auch die sich im 16. Jh. immer stärker zuspitzende Bauholzverknappung eine bedeutende Rolle gespielt haben, zumal sich diese wiederum auf den Holzpreis und damit auf die Baukosten ausgewirkt hat. Entringen selbst liegt, was die Importmöglichkeiten und damit die Kompensationsmöglichkeiten bei akutem Holzmangel betrifft, denkbar ungünstig. Auf dieses Problem weist neben dem Recyclingmaterial vor allem die Verwendung von - bezogen auf den Holzgerüstbau - minderwertigen Holzarten wie Buche und vermutlich auch Pappel hin. Dabei ist zu beachten, dass sich minderwertiges Holz auch schon unter den sekundär verwendeten Bauhölzern findet. In der Zusammensetzung des verwendeten Baumaterials besitzt das Gebäude somit hohe Aussagekraft zur dörflichen Sozial- und lokalen Waldgeschichte.
2010 wurde das Wohnhaus abgebrochen.
(1538)
- Siedlung
- Bauernhof
- Ländl./ landwirtschaftl. Bauten/ städtische Nebengeb.
- Wohnstallhaus
(1800 - 1900)
(1850 - 1950)
(1950 - 2000)
(2010)
Zugeordnete Dokumentationen
- Bauhistorische Kurzuntersuchung
- Bauaufnahme und bauhistorische Kurzuntersuchung
Beschreibung
- Siedlung
- Bauernhof
- Dorf
- Wohnbauten
- Wohnhaus
Zonierung:
Konstruktionen
- Dachgerüst Grundsystem
- Sparrendach, q. geb. mit stehendem Stuhl