Ehem. Zisterzienserabtei Maulbronn
Datenbestand: Bauforschung und Restaurierung
Objektdaten
Straße: | Klosterhof |
Hausnummer: | 1 |
Postleitzahl: | 75433 |
Stadt-Teilort: | Maulbronn |
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Regierungsbezirk: | Karlsruhe |
Kreis: | Enzkreis (Landkreis) |
Wohnplatzschlüssel: | 8236038004 |
Flurstücknummer: | keine |
Historischer Straßenname: | keiner |
Historische Gebäudenummer: | keine |
Lage des Wohnplatzes: |
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Kartenansicht (OpenStreetMaps)
Objektbeziehungen
Ist Gebäudeteil von: | |
keine Angabe | |
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Besteht aus folgenden Gebäudeteilen: | |
1. Beinhaltet Bauteil: | Ephoratsgarten, Klosterhof 17 |
2. Beinhaltet Bauteil: | Ehem. Cellarium |
3. Beinhaltet Bauteil: | Ehem. Laienrefektorium |
4. Beinhaltet Bauteil: | Ehem. Herrenkirche, ehem. Klosterkirche, ev. Kirche |
5. Beinhaltet Bauteil: | Paradies, Vorhalle der Klosterkirche, Klosterhof 9 |
Ehem. Cellarium (75433 Maulbronn, Klosterhof)
Ehem. Laienrefektorium (75433 Maulbronn, Klosterhof)
Ephoratsgarten, Klosterhof 17 (75433 Maulbronn)
Ehem. Herrenkirche, ehem. Klosterkirche, ev. Kirche (75433 Maulbronn, Klosterhof 9)
Paradies, Vorhalle der Klosterkirche, Klosterhof 9 (75433 Maulbronn)
Bauphasen
Besser als mit den Worten von Eduard Paulus [1837-1907; deutscher Kunsthistoriker] lässt sich der erste Eindruck des Klosters bis heute nicht beschreiben, denn bis heute hat sich an seiner Einschätzung nur wenig verändert: „Selten ist eine mittelalterliche Klosteranlage so vollständig und so gut erhalten; man vermag sich noch in das klösterliche Leben in Allem, was dazu gehörte hinein zu versetzen, denn nicht blos die Kirche und die eigentlichen Klosterräume, auch alle die stattlichen und dauerhaften Nebengebäude, die einst den reichen Klosterhaushalt vermittelten, stehen noch aufrecht und geben uns, wie kaum ein anderes Cistercien-serkloster in Deutschland, einen Begriff von der großartigen und heilsamen Thätigkeit dieses um die Kultur des Mittelalters hochverdienten Mönchordens.“ [vgl. E. Paulus: Die Cistercienser-Abtei Maulbronn, hrsg. vom Württembergischen Altherthums-Verein, Stuttgart ³1889, S. 1-2]
Die im Folgenden genannten Angaben stammen aus Ulrich Knapp: Kloster Maulbronn. Geschichte und Baugeschichte, Stuttgart 1997 und Maulbronn. Zur 850jährigen Geschichte des Zisterzienserklosters, Stuttgart, hrsg. vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Stuttgart 1997.
(1137 - 1138)
- Sakralbauten
- Kloster, allgemein
(1147 - 1148)
Grund und Boden am neuen Standort gehen auf eine Zustiftung des Speyrer Bischofs Gunther zurück, in dessen Herrschaftsgebiet die erstmalige, niederadlige Stiftung des Erbguts Eckenweiher durch Walter von Lomersheim, einem edelfreien Ritter fiel.
(1156)
(1157)
(1161)
(1170 - 1175)
(1178)
(1201)
(1210 - 1220)
(1220 - 1225)
(1250)
(1300 - 1400)
(1427)
(1456)

- Dachgeschoss(e)
- Anbau
- Dachform
- Pultdach
(1556)
(1588)
(1840)
(1869 - 1870)
(1896)
(1993)
Beschreibung
Die Vogelperspektive macht deutlich, dass die Niederlassung im Salzachtal den Mönchen gute Boden- und Wasserverhältnisse und Schilfsandstein bot, der zum Erbauen der Klausur und wichtiger Ökonomiegebäude ebenso notwendig war, wie die künstlich angelegten Wasserläufe und Stauseen, die Standort und Ausrichtung nicht nur der Maulbronner Zisterze maßgeblich beeinflussten.
- Klosteranlage
- allgemein
- Anlagen für Handel und Wirtschaft
- Gasthof, -haus
- Ausstattungsgegenstände, Architekturglieder
- Kruzifix
- Bauten für Ver- und Entsorgung
- Brunnen, Brunnenhaus
- Wasserleitung
- Bauten für Wohlfahrt und Gesundheit
- Spital
- Denkmale, Kleindenkmale
- Grabstein, Grabmal
- Gewerbe- und Industriebauten
- Sägemühle
- Schmiede
- Ländl./ landwirtschaftl. Bauten/ städtische Nebengeb.
- Scheune
- Stallgebäude
- Residenz- und Hofhaltungsbauten
- Marstall
- Schloss
- Sakralbauten
- Kapelle, allgemein
- Klausur-, Wohngebäude
- Klosterkirche
- Sepulkralanlagen
- Begräbnisplatz
Die Abtei selbst präsentiert sich nach dem bekannten mittelalterlich-klaustralen Schema als Vierflügelanalge, die einen annäherend quadratischen Kreuzgarten im Zentrum umschließt. Dieser wird gesäumt von einem überdachtem Gang, der Kreuzgang, der alle Erdgeschossräume erschließt und verbindet. Entgegen dem "Bernhardinischen Plan" jedoch erstreckt sich die Klosterkirche entlang des südlichen Kreuzgangflügels. Sie stellt den mächtigsten Baukörper nicht nur der Maulbronner Anlage dar.
Für die Gruppierung und innere Anordnung der Räume galt zwar ein allgemein "verbindliches" Schema, der sog. "Bernhardinische Plan", doch war die Ausrichtung insbesndere von den künstlich geschaffenen Wasserläufen abhängig, die den Standort der Latrinen - in Maulbronn am Nordende der Dormitorien -, des Brunnens sowie der Küche bestimmten und so die Ausrichtung der Gesamtanlage vorgaben.
Zonierung:
Über die Klausur hinaus befinden sich die für das subsistente LEben in einem Kloster unabdingbaren Ökonomiebetriebe im westlich angrenzenden Klosterhof, darunter Grangien, Kellereien, Schmieden, Mühlen u.a. Gärten und Obstwiesen hingegen wurden auch von den Herrenmönchen bewirtschaftet und lagen auf der gegenüberliegenden Seite im Osten.
Angeführt sei noch das herzogliche Jagdschloss im NO der Klausur, dessen Bau die feudalen Folgen für das Kloster in Nachreformatorischer Zeit widerspiegelt.
Konstruktionen
- Steinbau Mauerwerk
- Großquader
- Werkstein
- Gewölbe
- Kreuzgratgewölbe
- Rippengewölbe
- Verwendete Materialien
- Holz
- Stein
- Dachform
- Pultdach
- Satteldach
- Detail (Ausstattung)
- bemerkenswerte Fenster
- bemerkenswerte Türen
- Gestaltungselemente
- Zierglieder im Steinbau
- Dachgerüst Grundsystem
- Sparrendach, q. geb., mit einheitlicher Gebindeaufreihung
Wie die Abtei im Gründungsstadium genau ausgesehen haben könnte, ist heute nicht mehr eindeutig rekonstruierbar. Wahrscheinlich aber ist, dass auch in Maulbronn zunächst eine provisorische Klausur in Form von einfach strukturierten, hölzernen Gebäuden existierte, die um ein Karree, den Kreuzgang, herum gruppiert waren, und das Ersetzen dieser durch massive Steinbauten nach und nach in Abhängigkeit der liturgischen Relevanz der einzelnen Gebäudetrakte erfolgte. Ein wesentlicher bauhistorischer Befund, der vermittels historischer Quellen gestützt wird, wies nach dass der Osttrakt der Klausur, der aus dem streng geometrisch ausgerichtetem, auf quadratischer Grundlage basierendem Grundriss nach Osten hin leicht ausbricht und im spitzen Winkel, mit dem nördlichen Querhaus zusammen, auf die Kirche zuläuft, als einziger Gebäudeteil bereits vor 1147 und dazu in Form des heutigen Steinbaus Bestand hatte.
Dem zisterziensischen Schema zufolge ist die Klosterkirche an höchster Stelle mit dem nachweislich besten Baugrund, ad orientem gewendet, errichtet. Sie ist der dominierende Baukörper innerhalb der Klausur, mit deren Bau in der Regel als erstes begonnen wurde, sodass die vom Mutterkloster zur Neugründung entsandten Mönche die Liturgie nicht länger als nötig unterbrechen mussten.
Neueste archäologische Grabungsergebnisse zeigen, dass auf einem vorhandenen Fundament am Chor, das für diesen formgebend war, aufgebaut wurde und dann die Verbindung zwischen diesem und dem Osttrakt in Form des nördlichen Querarms und der Sakristei geschaffen wurde. Nicht selten bedingten ähnliche Umstände die Ausrichtung der Klausur, wider dem „Ideal“, gen Norden, denn mehr als bei allen anderen Orden ihrer Zeit waren die Zisterzen den örtlich-natürlichen, teils künstlich geschaffenen Gegebenheiten auf Grund ihrer Hygienevorstellungen unterworfen. Sie beinhalteten sowohl die Latrinen am Ende der Dormentflügel als auch die in fast einer Linie dazu liegende Küche mit frischem, fließenden Wasser zu versorgen. Das Brunnenhaus wurde, wenn möglich, über eine Druckwasserleitung von einer separaten Quelle gespeist und den Mönchen so das vermeintlich saubere und überaus kostbare Trinkwasser zur Verfügung gestellt; mangels Badehäusern, die Bernhard de Clairvaux im Bauprogamm nicht vorsah, wuschen sie sich mit diesem auch Gesicht und Hände. Die Würdigung des reinen Wassers, das die persönliche Reinheit mit sich brachte, rechtfertigte meist aufwendige, oft mehrschalige Brunnen.
Im Vergleich zu anderen, zeitgenössischen Orden zeugte diese Vorstellung schon allein in Bezug auf die Aborte, die damals üblicherweise in Form von Sickergruben erbaut wurden, von enormem Fortschritt und steht für das bau- und handwerkliche sowie hydraulische Knowhow der Mönche ein.
Der Kreuzgang stellt das zentrale Verbindungsglied innerhalb der einzelnen Bautrakte dar, wurde stets einheitlich überdacht und mit sich zum Kreuzgarten hin öffnenden Arkaden versehen, die in den Zisterzen in der Regel auf einem fortlaufenden Mauerstreifen fußte. Der Kreuzgarten selbst wurde in größeren Abteien oft durch zwei sich mittig schneidende Wege in vier Rasenflächen aufgeteilt, an deren Schnittstelle sich eine weitere Brunnenschale, oder auch ein Brunnenhaus, zum Auffangen des Regenwassers befand; nicht so in Maulbronn. Er wurde als reiner Ort der Andacht stets nur mit Gras bepflanzt und diente nie in Form einer Nutzfläche für Beete. Diese wurden wiederum in unmittelbarer Nähe zur Klausur hinter dem Ostflügel angelegt, sodass die Herrenmönche deren Bearbeitung mit dem liturgischen Dienst verbinden konnten (vgl. heutiger Ephoratsgarten).
Die Klosterkirche:
Die Zisterzienserkirchen sind im Allgemeinen Abkömmlinge der frühchristlichen Basiliken, die sich im liturgischen Zusammenhang als die sinnvollste Form erwiesen und infolge zur Norm wurden.
Die erste Aufgabe nach Klostergründung war auch in Maulbronn der Bau des Gotteshauses, während Mönche und Konversen zunächst in provisorischen Holzgebäuden lebten, insofern nicht bereits vorzisterziensische Steinbauten am Ort vorhanden waren. Die Kirche ist somit das älteste Gebäude der gesamten Anlage aus Zisterzienserhand, wurde noch im Gründungsjahr 1147 begonnen und bereits drei Jahrzehnte späte geweiht.
Bei der Maulbronner Klosterkirche handelt es sich um eine dreischiffige, über dem Grundriss des lateinischen Kreuzes errichtet Pfeilerbasilika, die dem zisterziensischen „Ideal“ entsprechend zunächst in einfach und strengen Formen sowie weitestgehend schmucklos ausgeführt wurde. Als anfänglich einziger Dekor verläuft unterhalb der Traufe und den Giebelschrägen ein abgetreppter Rundbogen- und Zahnschnittfries, dessen profiliertes Gebälk nach oben hin abschließt. Das in Großquadern erbaute Langhaus, das in verschiedener Steinqualität erbaute Querhaus und der aus solidem Quaderwerk erbaute Chor sind von annähernd gleicher Höhe und jede Stirnwand weist einen Giebel auf.
Der äußere Eindruck der enormen Längsstreckung des Langhauses, dem im Osten ein zwar deutlich vor die Flucht der Außenmauern hinaustretendes, dennoch aber verhältnismäßig schmales Querhaus vorgelagert ist, wird im Innern unterstützt durch eine in zehn Joche unterteilte Arkadenreihe, der eine hohe Scheidmauer auflagert. Der in diese eingelassene Obergaden zeichnet sich durch die rhythmisch mit den Arkadenbögen verlaufende Folge von zehn Rundbogenfenstern aus. Aufgrund des basilikalen Schemas sind die mit Pultdächern versehenen Seitenschiffe von annähernd halber Breite und niedriger als das mit einem bis zum östlichen Chorende reichenden Satteldach versehene Mittelschiff. An der Schnittstelle der Firste von Langhaus und von dem ebenfalls mit Satteldach versehenen Querhaus befindet sich der dendrochronologisch ins Jahr 1398 datierte, hölzerne Dachreiter, der die Kirche beinahe an Höhe übertrifft. In diesem Dachreiter befindet sich die große der insgesamt drei Glocken einer typischen Zisterzienserabtei, vermittels welcher der Sakristan zur Messe und zu den gemeinsamen Stundengebeten läutete. Neben der den Mönchen vorbehaltenen, in der Wand zwischen Querhaus und Dormitorium angebrachten Stundenglocke, befand sich die dritte, die „zum Segen und zur Danksagung“ durch den Priester betätigt wurde, in einem Glockentürmchen am Refektoriumsdach.
Die zwei weit nach Osten verschobenen Querhausarme setzen seitlich der Chormauern an und bilden auf Grund der Unterteilung in je drei schlichte und flach geschlossene, über quadratischem Grundriss errichtete, eingewölbte und dem privaten Altardienst der Mönche vorbehaltene Kapellen, kein eigentliches Querschiff aus. Diese Unterteilung der Querarme war üblich in Zisterzienserkirchen, wenngleich eine Dreifachfolge dieser, wie in Maulbronn, allerdings seltener vorkam als eine Unterteilung in je zwei Seitenkapellen. Der über quadratischem Grundriss errichtete, gen Osten flach geschlossene Chor greift vermittels starker Mauern bis zur Hälfte in das Querhaus ein und verlängert so auf gewisse Weise des Mittelschiffes, was besonders aus dem Kirchengrundriss hervorgeht. Das dem Chorquadrat vorgelagerte, rechteckige Joch erscheint als reduzierte Vierung, die sich durch breite Kreuzrippen, die im Verhältnis stärker ausgebildeten sie begrenzenden Pfeiler, einen mächtigen Gurtbogen, der sich vor dem Altarraum erhebt, sowie den auf das zehnte Arkadenjoch des Mittelschiffs folgenden, gleich stark ausgebildeten, aber erst auf Stichhöhe des Gewölbes beginnenden Bogen auszeichnet. Der „elfte“ Arkadenbogen, der auf die eng gestellten Arkaden des Langhauses folgt, öffnet sich in die Querarme, ist jedoch im Verhältnis zu den vorausgehenden wesentlich schmaler und gedrungener. Zusammengefasst und unterstützt durch die bis zum Chorbogen fortgesetzte Scheidmauer wird der äußere Eindruck eines weit ausladend Querhauses im Innern fast vollständig negiert.
Tatsächlich stehen die Erdgeschossbereiche der Querarme lediglich in einem Verhältnis von 1:2 zur Gesamthöhe des Querhauses und die aus einem Querschnitt durch den Kirchenosten hervorgehenden Räume darüber reichen ihrerseits bis unter den Dachstuhl. Der nördliche dieser beiden Räume müsste bereits mit Errichtung der Querhausarme, d.h, im 12. Jahrhundert, über den Ostflügel der Klausur zugänglich gewesen sein, der südliche ist bis heute nur schwer gangbar und eine frühere, womöglich befriedigendere Lösung konnte bislang nicht ausgemacht werden. Was die Nutzung und Intention der Räume betrifft, die mit ihrer Begehbarkeit in Verbindung steht, dominieren Unstimmigkeiten auch die aktuellste Literatur. Für den südlichen mangelt es an Nachweisen zur Klärung der Funktionalität, Um- und Einbauarbeiten sind nachgewiesen, führten aber bislang zu keinem stichhaltigem Ergebnis; der nördliche Raum jedoch könnte als frühe Bibliothek und als Archiv gedient haben. Die im Querschnitt verzeichnete, spitzbogige Arkadenreihe geht auf eine gotische, den Raum in eine zweischiffige Halle unterteilende Umbaumaßnahme zurück.
Über dem Langhaus und Chor haben sich die mittelalterlichen Dachstühle weitgehend erhalten, die einfach, relatliv flach geneigte Kehlbalkendachstühle mit schräg nach außen gerichteten Sparrenstreben darstellen. Die Konstruktionshölzer wurden dabei äußerst kräftig proportioniert.
Das Dachwerk über dem Paradies: Pultdach, errichtet 1456 (d):
Bezogen auf die äußere Form des Daches handelt es sich um ein nach Westen geneigtes Pultdach das im Norden und Süden mit einer dachhohen Abwalmung abschließt. Die Vermittlung zwischen Pultdach und Abwalmung erfolgt durch lange, die gesamte Dachbreite durchziehende Gradbalken. Wie beim kleinen Nebendach sind auch hier nur Eichenhölzer abgezimmert.